Der Rote Punkt


1969 - Hannover nimmt den Nahverkehr in die eigene Hand

von unten nach oben: Transparent vom 10. Juni 1969 auf dem Aegi
Auf dem Steintorkreisel stehen gelassener Straßenbahnwagen (Foto: HAZ-Hauschild-Archiv, Historisches Museum)
Roter Punkt Verkehr am Steintor (Foto: Fratzer)

Für die üstra, wie sie der Hannoveraner heute kennt, waren die ereignisreichen und dramatischen Tage des Roten Punkts zwischen dem 11. und 19. Juni 1969 das wichtigste Datum. Jeder Hannoveraner, der diese Zeit miterlebt hat – ob als Demonstrant, als Polizist, als Straßenbahnfahrer oder als Autofahrer mit Rotem Punkt an der Windschutzscheibe – kann noch heute, 40 Jahre später, von diesen Tagen erzählen, als wäre das alles erst letzten Sommer passiert. In der Tat geschah damals in dem als so beschaulich geltenden Hannover Unerhörtes: Eine ganze Stadt wehrte sich gegen ungerechte Tarife und ein mangelhaftes Nahverkehrsangebot
und organisierte eine beispiellose Selbsthilfe unter dem Zeichen des Roten Punkts. Hannover
machte damit bundesweit Schlagzeilen und alle, die dabei waren, hatten das stolze Gefühl, selber einmal Geschichte geschrieben zu haben. Als Ergebnis des erfolgreichen Bürgerprotests
fiel die Entscheidung, die üstra – zu dieser Zeit noch im Besitz der PreußenElektra – in öffentliche Hände zu überführen und mit der Gründung des Großraum-Verkehr Hannover (GVH) die Basis für ein einheitliches und gerechtes Tarifsystem zu schaffen. Nur sechs Jahre später wurde mit der Einweihung des ersten Teilstücks der Tunnelstrecke zwischen Waterlooplatz und Hauptbahnhof ein neues Zeitalter des Nahverkehrs in Hannover – das Zeitalter der Stadtbahn – eingeläutet.