Paula - die Stadtbahn


Paula darf nie ausschlafen: Eine Stadtbahn erzählt

Nein, ich will noch nicht aufstehen. Ich hab doch gerade mal eine Stunde geschlafen! Außerdem ist es noch ganz dunkel und so kalt. Nur ein paar Minuten noch! Ja, ja, ist ja schon gut. Ich bin ja wach. Ich kann euch sagen, die Stadtbahnfahrer bei der üstra sind ganz schön streng. Nie darf ich mal ausschlafen. Immer muss ich morgens ganz pünkt- lich fertig sein. Ach ja, ich heiße übrigens Paula und arbeite als Stadtbahn bei der üstra.

Grafik: Sabrina Pottgießer


Meistens muss ich so um viertel vor vier aufstehen. Morgens! Das ist echt früh. Dann kommt mein Fahrer und bringt mich erstmal in Schwung. Zuerst schaltet er meine Batterien an, so dass ich überhaupt in die Gänge komme. Dann fährt er meinen Stromabnehmer hoch, damit ich ordentlich Strom tanken kann, und bereitet alles für den Tag vor. Ein letzter Check: Gehen alle Türen auf? Ist  noch genug Sand da, damit ich auch ordentlich Bremsen kann? - Wenn alles in Ordnung ist, geht es auch schon los.

So früh ist noch nicht so viel los. Stressig wird es erst, wenn alle Leute zur Arbeit und die Kinder in die Schule wollen. Dann gibt es immer ein riesiges Gedränge an den Türen und alle wollen mitfahren. Puh, das ist manchmal wirklich anstrengend.

Wenn ich am Endpunkt der Strecke angekommen bin, übernimmt Frieda. Frieda ist meine Schwester. Wir fahren immer zusammen und teilen uns die Arbeit. In die eine Richtung muss ich ran und sie mitziehen. Wenn wir zurückfahren, ist Frieda dran. Ich gönne mir dann eine kleine Verschnaufpause und werde von ihr gezogen. Das geht zwei bis drei Stunden so, dann ist Fahrerwechsel. An einem Tag haben Frieda und ich manchmal bis zu sechs verschiedene Fahrer. Da kommt man ab und zu ganz schön durcheinander.

Damit wir ein bisschen Abwechslung haben, fahren wir auch nicht jeden Tag die gleiche Strecke. Mal fahren wir von Langenhagen nach Sarstedt und an anderen Tagen dann wieder von Empelde nach Lahe. Da kommt nie Langeweile auf. Auf unserer Fahrt durch Hannover treffen Frieda und ich auch immer mal wieder Freunde von uns. Da ist zum Beispiel die alte Hilde. Sie ist eine von den grünen Stadtbahnen und fährt schon seit dreißig Jahren kreuz und quer durch Hannover. Die kann vielleicht Geschichten erzählen. Dann gibt es noch den Doppelten Toni. Das ist echt ein toller Typ. Er gehört zu den ganz langen silbernen Bahnen. Toni ist total stark und fährt den ganzen Tag alleine. Er braucht keinen, der sich die Arbeit mit ihm teilt. Einmal hatte ich kurz vor Feierabend einen Motorschaden und konnte nicht mehr weiter fahren. Gott sei Dank kam Toni gerade vorbei und hat mich nach Hause gebracht. Seitdem bin ich auch ein kleines bisschen verknallt in ihn. Aber das darf Frieda auf keinen Fall wissen. Die mag ihn nämlich gar nicht. Sie findet er sei überheblich.

Heute darf Frieda schon um acht nach Hause gehen und sich ausruhen. Abends schaffe ich die Fahrten auch allein. Wir wechseln uns da immer ab, morgen darf ich dafür früher Feierabend machen. Meistens ist es abends recht ruhig. Da sind nicht mehr so viele Leute unterwegs. Aber manchmal, wenn welche vom Feiern nach Hause fahren und ein bisschen zu viel Alkohol getrunken haben ist es echt ganz lustig. Was ich gar nicht mag ist, wenn Rowdys einsteigen und anfangen zu randalieren, oder meine Sitze bekritzeln. Das tut immer ganz schön weh und ich muss abends dann immer länger aufbleiben, damit alles repariert werden kann. Dabei darf ich doch sowieso immer nur so wenig schlafen.

So gegen ein Uhr nachts darf ich dann auch endlich nach Hause, auf den Betriebshof fahren. Meistens schaue ich dann noch kurz in der Werkstatt vorbei, damit die Mechaniker Kleinigkeiten reparieren können. Dann werde ich noch gewaschen, wenn ich ganz dreckig bin muss ich auch noch mal in die Waschstraße fahren. Das mag ich gern. Wenn alles fertig ist fahre ich zu Frieda auf unser Gleis. Ich versuche ganz leise zu sein, damit ich sie nicht aufwecke. Zu guter Letzt wird mein Stromabnehmer runter gefahren und ich mache es mir gemütlich. Ich versuche schnell einzuschlafen, weil ich ja schon bald wieder aufstehen muss, aber Frieda schnarcht immer so. Wenn ich dann doch eingeschlummert bin, träume ich meistens von Toni.

Von Anna Anding

 


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