Förderverein sucht Spender: Prototyp der Stadtbahn soll aus Kanada heimkehren

Ein außergewöhnliches Ziel hat sich der Förderverein STRASSENBAHN HANNOVER e.V. gesetzt: Er will eine Stadtbahn aus den Siebzigern, von der weltweit nur zwei Prototypen gebaut wurden, aus dem kanadischen Edmonton zurück nach Hannover holen. Die kanadischen Besitzer des Oldtimers haben der Rückkehr zwar bereits zugestimmt, doch zwischen der historischen Bahn und Hannover liegen die Rocky Mountains, der pazifische und der atlantische Ozean. Für die enormen Transportkosten von rund 150.000 Euro sucht der Förderverein nun Spender und Sponsoren. „Die üstra unterstützt das Vorhaben zwar nicht finanziell, aber ideell“, erklärt dazu das üstra Vorstandsmitglied Wilhelm Lindenberg, „wir würden uns freuen, wenn die engagierten Mitglieder des Fördervereins ihr kühnes Vorhaben verwirklichen können.“

Für das neue Stadtbahnsystem in Hannover wurden Anfang der 1970er Jahre neuartige Fahrzeuge benötigt. Das besondere dieser Deutschlandweit ersten Stadtbahnen lag darin, dass diese an Hochbahnsteigen im Tunnel sowie oberirdisch an „normalen flachen“ Bahnsteigen halten konnten, um einen Fahrgastwechsel zu ermöglichen. Es war also eine Verbindung von klassischer Straßenbahn und U-Bahn geschaffen worden. Um erste Erfahrungen mit so einem Typ von Stadtbahn in Hannover machen zu können, beschaffte die üstra zwei Prototypen.

Die beiden Fahrzeuge wurden im normalen Linienverkehr in Hannover erprobt und als die erste Tunnelstrecke befahrbar war, auch dort ausgiebig getestet. Auf der Basis der gesammelten Erfahrungen  wurde ein Lastenheft für die künftige Generation Stadtbahn Hannover – den heutigen grünen TW6000 – entwickelt.

Die beiden Prototypen wurden 1975 entbehrlich und wieder an die Hersteller zurückgegeben. Der Tw600 sollte eigentlich im firmeneigenen Museum der LHB, wurde aber letztlich Ende der 80er Jahre verschrottet.

Für den Tw601 dagegen zeichnete sich eine zweite Karriere ab. Als Prototyp für die kanadische Stadt Vancouver gedacht überquerte er den Atlantik. Als der Wagen in Vancouver ankam, hatten sich die Stadtväter jedoch bereits für ein Einschienenbahn System entschieden. Tw601 verstaubte über 12 Jahre lang in einer Halle am Hafen. Straßenbahnfreunde stellten einen Kontakt zu den Verkehrs-betrieben in Edmonton her, die den Wagen anlässlich ihres Jubiläums kauften und in Betrieb nahmen. Im Jahr 2005 ging der Wagen an den dortigen Museumsverein (Edmonton Radial Railway Society) über und wird seitdem dort eingesetzt und betriebsbereit gehalten.

Der mustergültig restaurierte Wagen befindet sich weitgehend im Originalzustand, wie er Hannover vor 38 Jahren verlassen hat. Da der Wagen nicht so recht in das Sortiment einer kanadischen Museumsbahn passt, suchen die kanadischen Vereinskollegen seit längerem eine neue Heimat für den Tw601.

Aus Sicht des Fördervereins STRASSENBAHN HANNOVER e.V. kann die neue Heimat nur die alte Heimat sein – Hannover! Der Verein sucht nun Sponsoren und Spender, die helfen, diesen Traum zu verwirklichen. Auch kleinste Beträge helfen!
Im Tausch erhalten die kanadischen Vereinskollegen einen originalen hannoverschen Arbeitswagen Baujahr 1928, so dass auch zukünftig eine hannoversche Straßenbahn durch Edmonton rollt.

Der Förderverein STRASSENBAHN HANNOVER e.V. wurde ursprünglich am 15.04.1991 als die „Hannoversche Interessengemeinschaft für den öffentlichen Nahverkehr e.V.“ gegründet, um Sonderfahrten mit den historischen Fahrzeugen der üstra zu unterstützen und Gleichgesinnte zu treffen.

Im Mai 2005 strukturierte sich der Verein neu und gab sich einen neuen Namen – passend zur neuen Aufgabe: Förderverein STRASSENBAHN HANNOVER e.V., seitdem organisiert der Verein sämtliche Fahrten, die Wartung und finanziert aus den Einnahmen den dauerhaften Erhalt der historischen Fahrzeuge und darüber hinaus sogar die Aufarbeitung weiterer, abgestellter Fahrzeuge. Außerdem ist der Verein von nun an als gemeinnütziger Verein anerkannt.
Mit der Bewahrung und Dokumentation der Entwicklung von der Pferdestraßenbahn zur heutigen Stadtbahn wird damit auch ein wichtiger Teil der hannoverschen Stadtgeschichte bewahrt.

Förderverein sucht Spender
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