Emissionsfreie Mobilität: Hannover bekommt drei Elektrobusse

Die üstra testet ab Anfang nächsten Jahres drei Elektrobusse im Linienbetrieb. Das Design der neuen Busse hat die üstra heute in Hannover der Öffentlichkeit präsentiert.

Der Flottenversuch wird auf den Buslinien 100/200 unternommen, die als repräsentative Ringlinien durch die gesamte Innenstadt Hannovers, vorbei an vielen Sehenswürdigkeiten, führen. Es sollen dabei Erkenntnisse gewonnen werden, wie ein wirtschaftlich und ökonomisch sinnvoller Beitrag zur Minderung der verkehrsbedingten Treibhausgas-Emissionen durch die Elektrifizierung des Busverkehrs erfolgen kann.

Die Linie 100/200 verfügt aufgrund der Ringführung über nur einen Endpunkt. Die drei im Pilotversuch vorgesehenen Elektrobusse im Linieneinsatz werden am Endpunkt August-Holweg-Platz mit Strom aus der Oberleitung der Stadtbahn nachgeladen. Beide Linien verfügen durch die kurzen Haltestellenabstände und eine Linienführung durch das Stadtzentrum von Hannover über optimale Einsatzbe-dingungen für einen Versuch mit Elektrobussen.

Die Linien werden tagsüber im 10-Minuten-Takt mit 12 Meter Solobussen bedient. Die Gesamtlänge der Linie 100/200 beträgt 16 km mit insgesamt 42 Haltestellen und einer Gesamtfahrzeit von 53 Minuten.  Täglich nutzen ca. 17.500 Fahrgäste diese Linie.

Die Elektrobusse werden mit CO2 freiem Strom aus dem Fahrleitungsnetz der Stadtbahnen versorgt. Durch die Fahrleitung der Stadtbahnen steht der Nachladeinfrastruktur eine hohe Energiemenge zur Verfügung, die eine Schnell-ladung der Elektrobusse möglich macht. Dadurch wird einerseits der Wirkungsgrad bei der Bremsstromrückspeisung der Stadtbahnen erhöht, andererseits müssen aber die Spannungsschwankungen in der Oberleitung der Stadtbahn bei der Leistungselektronik der Ladestation berücksichtigt  werden.

Die Busse sollen im Depot über Nacht vorgeladen und am Endpunkt der Linie 100/200 (August-Holweg-Platz) nachgeladen werden. Aufgrund der systemischen Vorteile wird am August-Holweg-Platz ein konduktives Nachladesystem über einen Pantographen installiert. Das Laden im Depot ist mit Ladesäulen und Steckverbindung geplant. Durch die konsequente Nutzung des Stroms aus dem Stadtbahnnetz benötigt der Betrieb mit Elektrobussen keine eigenen Unterwerke. Da Elektrobusse mobile Energiespeicher darstellen, könnten an den Stadtbahnendpunkten künftig auf den Bau von stationären Stromspeichern verzichtet werden.

Im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung wurde der Auftrag für das Gesamtsystem – Fahrzeuge und Ladeinfrastruktur – an Solaris vergeben. Durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Betreiber und Hersteller wird die Markt- und Serienreife der Elektrobustechnologie vorangetrieben. Die Hersteller sollen in die Lage versetzt werden, in Zukunft zuverlässige Elektrofahrzeuge zu marktfähigen Preisen anzubieten, die auf die Bedürfnisse der Betreiber abgestimmt sind. Um eine schnelle Markt- und Serienreife zu erreichen, wird das Projekt in Hannover mit Fördermitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert. Die Fördermittel stammen aus dem Förderprogramm „Erneuerbar Mobil“ welches Forschungs- und Entwicklungsprojekte mit einer hohen Innovation fördert.

Die assoziierten Projektpartner Region Hannover als Aufgabenträger des Nahverkehrs und enercity Contracting GmbH sind in das Projekt eingebunden und unterstützen finanziell und fachlich. Der Pilotversuch hat für die Region Hannover eine hohe Bedeutung, weil damit im Busliniennetz der üstra in Verbindung mit der Stromversorgung der Stadtbahn ganz konkret erprobt werden kann, ob die im Verkehrsentwicklungsplan ProKlima definierten ehrgeizigen
Umweltziele der Region zur CO2-Minderung aber auch zur Vermeidung der die Gesundheit gefährdenden Emissionen wie Lärm und Feinstaub mit dieser neuen Technologie erreicht werden können. Mit der Einbindung von enercity Contracting GmbH soll die Kompetenz dieses Unternehmens für die üstra auf dem Gebiet der Energiebereitstellung und der Elektromobilität einbezogen werden. Die enercity Contracting GmbH sieht in diesem Projekt eine sehr entwicklungsfähige und nachhaltige Thematik, aus der sich neue Geschäftsmodelle für Energieversorger ergeben können. In einem Teilprojekt wird die enercity Contracting GmbH ihre Kompetenz im Bereich der Lade- und Nachladeinfrastruktur einbringen.

Ein weiterer wichtiger Punkt des Projektes ist eine Analyse der Übertragbarkeit der Ergebnisse aus dem Pilotversuch auf das gesamte Busliniennetz der üstra. Insbesondere muss geklärt werden, wie viele Nachladepunkte erforderlich sind und welche Auswirkungen das auf die Dimensionierung der Stromversorgung der Stadtbahn hat. Dabei müssen auch betriebliche Besonderheiten, wie z.B. die Abwicklung von Schienenersatzverkehren bei gestörter Oberleitung, betrachtet werden. Außerdem müssen die Auswirkungen auf den Werkstattbetrieb hinsichtlich technischer Ausstattung, Personalbedarf und Qualifikationen analysiert werden. Es ist geplant, durch das Fraunhofer Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI eine Computersimulation der Auswirkungen durchführen zu lassen.

Die üstra Vorstände Wilhelm Lindenberg und André Neiß zeigen das Design der neuen Elektrobusse.